Predigt am 05.10.2003

- 17. Sonntag nach Pfingsten, sd -
(Kirche zum Mitreden, 05.10.2003)
Eph 4,1-6; Mt 22,34-46

Jemand (Ohlig) schrieb einmal in Bezug auf das Dogma von der Dreifaltigkeit Gottes: "Was der Religionswissenschaftler einfachhin konstatieren kann, bedeutet aber zugleich eine Anfrage an die Theologie nach der Legitimität eines solchen Konstrukts. Wenn es feststeht – und daran scheint kein Weg vorbeizuführen –, daß Jesus selbst nur vom Gott Israels, den er Vater nannte, und nichts von seiner eigenen späteren 'Vergottung' wußte, mit welchem Recht kann dann eine Trinitätslehre normativ sein? Muß man sie nicht vielmehr als einen Inkulturationsvorgang, der nur innerhalb der damaligen Kontexte unausweichlich und wohl auch legitim war – weil anders das Christentum nicht lebbar war - ,verstehen, also als eine kontingente kontextuelle Komplizierung der jesuanischen Gottesvorstellung?" Zunächst mag die Wortgewalt dieser mit Fremdwörtern durchtränkten Zeilen überwältigen. Doch gerade angesichts solcher Fremdwörterausbrüche gilt es, kühlen Kopf zu bewahren und nüchtern zu betrachten, welche Aussage getroffen und wie sie begründet wurde. Wir haben es hier mit einem Gegner des Dreifaltigkeitsdogmas zu tun. Der Dreifaltigkeitsgegner stellt die Frage nach der "Legitimität eines Konstruktes"; er fragt, ob eine Aussage, hier also das Dogma von der Dreifaltigkeit, überhaupt legitim, d.h. erlaubt, zulässig ist. Er weigert sich, ein Dogma als wahr anzunehmen. Seine Begründung für diese Weigerung: Er hat konstatiert, festgestellt, dass es sich bei dem Dreifaltigkeitsdogma nur um ein Konstrukt, um ein Gebilde, eine menschliche Erfindung handelt. Kein Weg - so sagt Dreifaltigkeitsgegner - führt an der Feststellung vorbei, dass Jesus nichts von seiner eigenen späteren 'Vergottung' wußte. Also kann auch das Dreifaltigkeitsdogma nicht normativ, grundlegend verpflichtend sein. Dass trotzdem von der Gottheit Christi gesprochen wurde, ist ein Inkulturationsvorgang - die wahre Lehre über Jesus, der eben nicht Gott war, wurde mit den griechischen Kulturkreis vermischt, in dem es die Vorstellung gab, dass ein Gott Kinder zeugen könne. So phantasierten die Dichter in der damaligen griechischen Kultur von einem Göttervater Zeus, der zwar mit seiner Schwester, der Göttin Hera, verheiratet war, der aber auch mit anderen Göttinnen Unzucht trieb und Kinder von verschiedenen rein menschlichen Frauen hatte. Das Christentum entstand also dadurch, dass heidnische Vorstellungen von einem hemmungslos ehebrechischen Göttervater und seiner ausschweifenden Kinderzeugung auf Jesus übertragen wurden, weshalb man ähnlich wie bei dem Ehebrecher Zeus nun von Gott dem Vater sprach. Jesus wurde im Nachhinein zum "Sohn Gottes" erklärt. Und damit man den ersten Christen, die von der Gottheit Christi sprachen, nicht allzu große Vorwürfe wegen dieser extremen Verfälschung der Lehre Jesu machen kann, fügt der Dreifaltigkeitsleugner hinzu, dass solch eine fundamentale Verfälschung der Tatsachen "unausweichlich und wohl auch legitim war". Unklar bleibt dabei, wie denn etwas gleichzeitig unausweichlich und auch verboten sein kann, wenn man doch nichts verbieten kann, was unausweichlich ist. Das Dreifaltigkeitsdogma soll man jedenfalls "als eine kontingente kontextuelle Komplizierung der jesuanischen Gottesvorstellung" werten, als eine aus der damaligen herrschenden Kultur und der damaligen gesellschaftlichen Situation der Jesusanhänger erklärliche Konstruktion, die es als solche zu durchschauen und abzuschaffen gilt. Innerhalb dieses Weltbildes muss das heutige Evangelium als eine reine Märchengeschichte abgetan werden. Wenn Jesus nichts von seiner späteren Vergottung wusste, dann kann er auch niemals gesagt haben, dass er nicht bloß der Sohn Davids ist, also hinsichtlich seiner menschlichen Natur in der Linie von David steht, sondern auch Davids Herr ist, also hinsichtlich seiner göttlichen Natur über David steht. Dieses Zeugnis Jesu, dass er größer ist als David, ist eine durchgängige Lehre im Neuen Testament. Also die ganzen Taten und besonders die Wunder, die Jesus gewirkt hat, die ganzen Worte, die Jesus gesprochen hat, all das, worüber das Neue Testament berichtet, das soll nur Erfindung seiner Anhänger, nur "eine kontingente kontextuelle Komplizierung der jesuanischen Gottesvorstellung", gewesen sein? Das Aufblühen und die Ausbreitung der Kirche und die Wunder, die von den Heiligen im Namen Jesu gewirkt wurden, all diese Tatsachen sollen ebenfalls nur Erfindungen sein? Wenn man die ganzen Zeugnisse der Schrift als Märchen abtut, muss man begründen, mit welchem Recht man dies tut. Der Dreifaltigkeitsleugner verzichtet ganz einfach auf eine Begründung und stellt einfach nur fest, dass er im Recht ist. Jetzt muss man sich entscheiden: Glaubt man lieber jemandem, der argumentationslos die kirchliche Lehre bestreitet, oder glaubt man lieber die argumentativ vorgelegte kirchliche Lehre? Glaubt man lieber an die Konstruktion eines Dreifaltigkeitsleugners, dass bei Jesus die Mythen- und Legendenbildung so weit ausgeufert ist, dass in den Köpfen von Fanatikern aus einem bloßen Menschen ein Gott konstruiert wurde, oder glaubt man an das Dogma von der Menschwerdung des Sohnes Gottes? Welche Bedeutung hatte nun dieses Bekenntnis Jesu, er sei nicht nur der Sohn Davids, sondern auch Davids Herr, für die Juden? In einem Kommentar (Dausch) zu dieser Stelle heißt es: "So macht Jesus seine wahre, volle Gottessohnschaft, dieses leuchtende Symbol des neuen Gottesreiches, geltend. Das war sein Bruch mit dem offiziellen Judentum, das war sein Todesurteil. [..] Die Schlußfolgerung Jesu war so überwältigend, daß Niemand ihm mehr antworten und [...] auch Niemand ihn mehr zu fragen wagte." Zunächst einmal ist es als sehr positiv zu werten, dass die Argumentation Jesu absolut schlüssig und unwiderlegbar richtig ist. So muss eine Argumentation aussehen: absolut einwandfrei! Lernen wir also aus den Worten Jesu, die Wahrheit anderen so vorzulegen, dass eine Gegenargumentation nicht mehr möglich ist. Wenn andere keine Gegenargumente vorbringen, so wird das gemeinhin als Beweis gelten, dass die eigene Argumentation schlüssig und unwiderlegbar ist. Allerdings gilt auch, dass man mit der Verbreitung der Wahrheit sich sein Todesurteil einhandeln kann. Weil die Gegner Jesu eben keine Argumente haben, suchen sie "gerichtliche Hilfe". Da kommt ihnen ein Richter wie Pontius Pilatus gerade recht. Nun müssen wir uns fragen: Sind wir bereit, die Verteidigung, insbesondere die unwiderlegbare argumentative Verteidigung der Wahrheit mit unserem Leben zu bezahlen? Bedeutet uns die Wahrheit so viel, dass wir sie selbst dann argumentativ verteidigen, wenn uns daraus weltliche Nachteile wie Ehrverlust, Verfolgung, Misshandlung und Tod drohen. Sind wir auch vor den Nachfolgern des Pontius Pilatus und selbst im Angesicht des Todes noch bereit, zu den Argumenten der Wahrheit zu stehen, oder kapitulieren wir vor der Übermacht der Lüge, wenn sie wegen ihrer Argumentationslosigkeit nach "gerichtlicher Hilfe" schreit und das Gericht sich zum Komplizen des Verbrechens macht? Stellen wir uns nun einmal folgendes vor: Der zitierte Dreifaltigkeitsleugner wäre nicht irgendein Dahergelaufener, sondern er würde sich nach deutschem Recht straflos mit dem Titel "Professor für katholische Theologie" schmücken. Er könnte sich straflos als Vertreter der katholischen Lehre ausgeben. Ja, er könnte sogar jeden strafrechtlich verfolgen und vernichten, der noch das Dreifaltigkeitsdogma verteidigt. Und stellen wir uns vor, diese zitierte Leugnung der Gottheit Christi wäre nicht nur eine private Meinung, sondern würde von dem "Erzbistum Köln", Abteilung "Religionsunterricht", verbreitet. Wollen wir Christus nachfolgen, müssen wir bereit sein, die Wahrheit argumentativ zu verteidigen auch bis zum Äußersten. Amen.


S. auch:
Völkermordorganisation "Staatsanwaltschaft Saarbrücken"
connis Credo
www.katholisch.net

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