Ad tuendam fidem

(Kirche zum Mitreden, 25.07.1998)


Wojtyla, der 1983 seiner Sekte ein eigenes Gesetzbuch gab, in welchem das kirchliche Gesetzbuch, der Codex Iuris Canonici (CIC), veröffentlicht 1917, karikiert wird, hat nun einige Zusätze in dieses V2-Gesetzbuch eingefügt: In dem Motu proprio (kirchenrechtliche Entscheidung) "Ad tuendam fidem"  nennt Wojtyla die Einschübe in die V2-Gesetzbücher (für die westliche (CIC) und die orientalische (CCEO) V2-Abteilung); der Can. 750 CIC 1983 wurde um einen Paragraphen erweitert und lautet nun:

"Paragraph 1. Kraft göttlichen und katholischen Glaubens ist all das zu glauben, was im geschriebenen oder im überlieferten Wort Gottes als dem einen der Kirche anvertrauten Glaubensgut enthalten ist und zugleich als von Gott geoffenbart vorgelegt wird, sei es vom feierlichen Lehramt der Kirche, sei es von ihrem ordentlichen und allgemeinen Lehramt; das wird ja auch durch das gemeinsame Festhalten der Gläubigen unter der Führung des heiligen Lehramtes offenkundig gemacht; daher sind alle gehalten, diesen Glaubenswahrheiten entgegenstehende Lehren jedweder Art zu meiden.
Paragraph 2. Fest angenommen und bewahrt werden muß auch alles und jedes einzelne, was vom Lehramt der Kirche in der Glaubens-und Sittenlehre definitiv vorgelegt wird, also das, was zur heiligmässigen Bewahrung und zur getreuen Darlegung des Glaubensgutes erforderlich ist; es widersetzt sich daher der Lehre der katholischen Kirche, wer diese Sätze, die definitiv gehalten werden müssen, ablehnt"

Dementsprechend wurde auch im Strafrecht der Can. 1371 erweitert:

"Mit einer gerechten Strafe soll belegt werden:
1.) wer ausser dem in can. 1364, Paragraph 1 genannten Fall eine vom Papst oder einem Ökumenischen Konzil verworfene Lehre vertritt oder eine Lehre, worüber can. 750 Paragraph 2 oder can. 752 handelt, hartnäckig ablehnt und, nach Verwarnung durch den Apostolischen Stuhl oder den Ordinarius, nicht widerruft;
2.) wer sonst dem Apostolischen Stuhl, dem Ordinarius oder dem Oberen, der rechtmässig gebietet oder verbietet, nicht gehorcht und nach Verwarnung im Ungehorsam verharrt.

Nun stören sich einige daran, daß der Vatikan expressis verbis Glaubensgehorsam für definitive Entscheidungen des V2-Lehramtes gefordert werden; bei Grüppchen wie dem "Opus Dei" wird man sich wohl über diese Ergänzung freuen. Wird sich durch diese Ergänzung etwas in der Konzilssekte ändern? Nein! Vielmehr reiht sich diese Aktion Wojtylas nur in eine Reihe von Marketing-Aktionen ein, die der Vatikan zugunsten der antichristlichen Revolution seit dem Eintreten der Sedisvakanz durchführt, s. den Sedisvakanz-Text.

Dabei ist folgendes zu bedenken:

1. Wer V2 akzeptiert, ist wegen der darin enthaltenen Leugnung u.a. des Dogmas von der Heilsnotwendigkeit der Kirche bereits Häretiker und exkommuniziert. Wenn sich die V2-Leute also auf das "im geschriebenen oder im überlieferten Wort Gottes als dem einen der Kirche anvertraute Glaubensgut" berufen, setzen sie sich selbst ins Abseits.
2. Die von einigen erhoffte oder befürchtete Bestrafung für diejenigen, die gegen die neuen Bestimmungen im V2-CIC verstoßen, wird ausbleiben, denn noch nicht einmal die ärgsten Häretiker wie z.B. Hansjürgen Verweyen werden mit irgendeiner Strafe belegt. Es ändert sich also nichts an der Zügellosigkeit in der Theologie.
3. Der Vatikan wird möglicherweise "Glaubensgehorsam" im Zusammenhang mit den V2-Irrlehren fordern; das Superdogma V2 erhält damit eine Aufwertung. Verschiedene Äußerungen der höchsten Konzilsfunktionäre (s. die "Anmerkungen zum Sedisvakanz-Text") bezwecken ja genau diese Aufwertung des "Pastoralkonzils".
4. Wie auch vor einigen Monaten die Laieninstruktion, so bricht nur wieder ein Sturm der Empörung hervor, und wieder ist der Vatikan dem Ziel des restlosen Glaubensabfalls aller Pseudokatholiken ein gutes Stück näher. Jeder Dahergelaufene und natürlich solche Krisenerscheinungen wie Hans Küng geben ihren Senf darüber ab, wie unmenschlich der Vatikan doch die Freiheit knebeln würde. Wir warten noch immer auf Küngs Stellungnahme zu unserem Artikel; Küng scheut - wie jeder andere V2-Mensch auch - die argumentative Konfrontation und verläßt sich lieber auf die Publikumswirksamkeit seiner abgedroschenen Parolen, etwa in seinem Text zu "Ad tuendam fidem", "Jesus dürfte heute nicht predigen": "Und jetzt versucht der Vatikan auch noch, die treuesten der Laien zu vertreiben. Wie weit will man es eigentlich noch treiben? Das Unverständnis, der Unmut, die Verbitterung in unseren Gemeinden nach den päpstlichen Demarchen gegen Frauen-Ordination und Schwangerschaftskonfliktberatung auch noch dies! ist groß" (SZ vom 30.6.1998).

Gemäß vieler Zeitungsmeldungen herrscht nun "Betroffenheit", "Unverständnis", "Ratlosigkeit", "Verbitterung" etc. auch bei den V2-"Theologen", die ihre "wissenschaftliche" Arbeit "gefährdet" sehen; was z.T. an Stalinorgeln von seiten etablierter V2-Vertreter losgelassen wird, verläßt sehr empfindlich die Grenzen des guten Geschmacks, wobei man Vernunft ja schon gar nicht mehr aus diesen Reihen erwartet. Hartmut Meesmann (Frankfurter Rundschau, 8.7.1998) rückte gar mit der Bezeichnung "Großinquisitor" für Wojtyla heraus, ein Begriff, der spätestens seit Dostojewski einen sehr negativen Beigeschmack hat, wenngleich die Inquisition und das Amt des Großinquisitors an sich etwas durchaus Positives ist. Sollte der gesamte "theologische" V2-Lehrkörper tatsächlich nur aus jämmerlichen Heulsusen bestehen? Das wollen wir zwar nicht bestreiten, aber, wie oben erklärt, besteht ja für die "Theologen" kein Grund, sich um ihre dicken Gehälter Sorgen zu machen, in Deutschland, wo sie als Professoren eh im Amt bleiben (s. Küng, der weiter seinen Sermon verzapft), gleich zweimal nicht. Für so entsetzlich dumm, aufgrund des Motu proprio eine Einschränkung der häretischen Tätigkeit zu befürchten, halten wir nicht einmal die V2-"Theologen"; diese Einschätzung ist aber natürlich nicht unfehlbar.

Also: Business as usual! Eine Parole aus den Pamphleten schien uns jedoch teilweise gelungen, u.z. die Hetzschrift von dem Politikwissenschaftler Anton Pelinka "Über die Versuche des Papstes, die Geschichte aufzuheben". Pelinka ist als Politikwissenschaftler kein Mann vom Fach, doch vielleicht kennt er ja nicht das Sprichwort: "Schuster, bleib bei deinen Leisten", und hält sich für berufen, andere mit seiner unmaßgeblichen und - das ist das entscheidende - falschen Meinung zu belästigen. Er hat offenkundig nicht einmal begriffen, daß Wojtyla nicht der Papst ist, und verkündet deshalb lauthals seine Parole, die allerdings teilweise richtig ist (DER STANDARD, 6. Juli 1998):
 
 

"Dieser Papst macht aus der katholischen Kirche die größte Sekte der Welt"


 
 
 

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