Christentum und Islam
- Geschichtliche Notizen -
(Kirche zum Mitreden, 04.10.2001)
Am 11.09.2001 ereigneten sich in den USA mehrere Terroranschläge.
U.a. wurden die beiden Türme des World Trade Center zerstört;
Tausende unschuldiger Menschen fielen diesen Anschlägen zum Opfer.
Als Glaubensrichtung der Terroristen wird nun allgemein der Islam angesehen,
und nicht zuletzt die V2-Sekte, aber auch viele andere notorisch antichristliche
Vereinigungen, haben sich nach den Anschlägen leidenschaftlich darum
bemüht, den Islam vor pauschalen negativen Urteilen in Schutz zu nehmen.
Wegen einer längeren Grippe konnten wir in den vergangenen Wochen
nur sehr sporadisch an KzM arbeiten; dadurch hat sich u.a. auch ein für
den 30.09.2001 geplanter Text verschoben, den wir aber noch immer veröffentlichen
wollen. In Anbetracht der Katastrophe in den USA und dem weltweiten Echo
darauf scheint es uns angemessen, bei KzM nun eine islamische Woche zu
begehen. Obwohl wir bereits verschiedentlich den Islam bei KzM gewürdigt
haben (z.B. in Zusammenhang mit Lehmanns Geschwisterbotschaft,
dem Katholischen Erwachsenen-Katechismus und
den Kreuzzügen), wollen wir unseren Lesern
in dieser Woche drei Handreichungen geben, damit die Verständigung
zwischen Christentum und Islam verbessert werden und Frieden Einzug halten
kann, wobei wir noch nicht genau wissen, welches Ausmaß an Gewalthandlungen
der Welt wegen dieser Terroranschläge bevorsteht.
Die Planung der islamischen Woche sieht so aus:
a) Geschichtliche Notizen z.Th. Christentum und Islam (dieser Text);
b) Ausschnitte aus dem Koran;
c) Reaktionen, u.a. seitens der V2-Sekte, anlässlich der Terroranschläge
in den USA.
P. Marin De Boylesve SJ, Kurze Geschichte der Päpste, Mainz 1886,
109.240f
Muhammed.
In dieser Epoche [7. Jh.] erwuchs der Kirche im Innern Arabiens ein
neuer Feind. Getäuscht durch seine eigenen Einbildungen, oder wie
Andere mit mehr Grund annehmen, ein bewußter Betrüger, gab Muhammed
sich für einen Propheten aus. Er ward aus Mekka vertrieben. Von seiner
Flucht (622), der Hedschra, datirt die Zeitrechnung der Muhammedaner. Arabien
hatte nacheinander oder gleichzeitig vier Religionen bekannt: den Götzendienst,
den Sabäismus Zoroaster´s, oder den Cultus des Feuers und der
Gestirne, das Judenthum und das Christenthum. Muhammed unternahm es, alle
diese Religionen zu vereinigen. Daher kommt es, daß in diesem unzusammenhängenden
abenteuerlichen Buche einige Wahrheiten enthalten sind.
Aber in Wirklichkeit läßt sich seine ganze Religion, sowie
seine Politik, auf diese Formel zurückführen: "Genieße,
oder stirb." Die Verheißung und Erlaubniß aller sinnlichen
Lüste, die Androhung des Todes gegen Jeden, der sich diesem schändlichen
Joche nicht beugt, das ist das Geheimniß der Erfolge Muhammed´s
und des Muhammedanismus. Man braucht diesem Mann durchaus nicht ein außerordentliches
Genie zuzugestehen. Schmeichle den niedrigsten Leidenschaften, schone den
Stolz durch Wegleugnung der Geheimnisse des Glaubens, und wenn du dann
noch in einer Zeit lebst, wo die menschliche Gesellschaft entartet ist,
wie dies mit Asien zur Zeit Muhammed´s der Fall war, dann ist der
Erfolg dir gesichert. Nicht alle, die große Umwälzungen bewirkten,
sind deshalb wahrhaft groß.
Kampf gegen den Islam.
Die Eroberung von Constantinopel sicherte die Einheit des türkischen
Reiches. Der Kampf des Evangeliums gegen den Koran beginnt auf´s
heftigste zu entbrennen. Die Päpste, stets an der Spitze dieser Bewegung,
aber von den christlichen Fürsten im Stiche gelassen, erweckten Helden
zur Vertheidigung des Kreuzes, das endlich den Sieg errang. Nikolaus V.
begann auf´s Neue den Kampf gegen den Islam, aber der Tod hielt ihn
auf. Sein Nachfolger, Calixtus III. (1455-1458), that am Tage seiner Erhebung
auf den päpstlichen Stuhl den feierlichen Eidschwur: "Im Namen der
heiligen und ungetheilten Dreifaltigkeit schwöre ich, die Türken,
diese grausamen Feinde des Namens Christi, aus allen Kräften und mit
allen Mitteln, die in meiner Macht stehen, zu bekämpfen." Aeneas Sylvius
durchreiste Europa; die christlichen Fürsten versprachen, sich zu
rüsten. Als aber Mahomed mit einem ungeheuren Heere vor den Thoren
Belgrads erschien, da fand nur Hunyades mit seinen Ungarn sich ein und
mit ihm der heilige Johannes Capistranus. Der Papst hatte keine andere
Waffe, als das Gebet. Er befahl, daß täglich in allen Kirchen
um Mittag die Glocke ertönen solle, um die Gläubigen zu mahnen,
daß sie für die christlichen Kämpfer den Sieg erfleheten.
Ablässe wurden allen Denjenigen verliehen, welche auf dies Zeichen
und in dieser Absicht drei Vater unser und drei Gegrüßet seist
du Maria beten würden. Hunyad zog sein Schwert, Capistran ergriff
das Kreuz, und der Sultan mußte verwundet und zähneknirschend
mit den Trümmern seines geschlagenen Heeres zurückweichen. Dies
geschah am 6. August 1458. Der Papst setzte als Dankfest das Fest der Verklärung
Christi ein, welches er auf eben diesen Tag festsetzte.
M. Buchberger (Hg.), Kirchliches Handlexikon, Bd. 2, München 1912,
201.203f).
Islam (= Ergebung sc. in Gottes Willen), die von Mohammed (= der
Gepriesene) aus arabisch-heidnischen, jüdischen und christlichen Elementen
zusammengearbeitete Religion.
I. Der Stifter.
Mohammed, geb. um 570 zu Mekka, kam in seiner Heimat und auf den im
Dienste seiner späteren Gattin Hadidscha (gest. 619) unternommenen
Handelsreisen mit Christen und Juden in Berührung und wurde dadurch
und wohl auch infolge seiner Bekanntschaft mit Hanisen (religiösen
Grüblern Arabiens) an der Wahrheit des nationalen Heidentums irre.
Eine vermeintliche Erscheinung des Engels Gabriel (612) veranlaßte
ihn, als Prophet aufzutreten. Für die Beurteilung seines Wirkens nehmen
unter den neueren Forschern Koelle, Margoliouth u.a. bewußten Betrug
an, Muir teuflischen Einfluß, Sprenger männliche Hysterie, Weil
Epilepsie, Carlyle und Houtsma aufrichtige Überzeugung. Zu Beginn
seines Auftretens (I. mekkanische Periode 612-7) verlangte Mohammed besonders
Anerkennung Allahs als des einzigen Gottes und Almosen für die Armen
und Waisen, den Reichen drohte er mit dem nahen Gerichtstag. Als einige
seiner Anhänger nach Abessinien auswanderten, und Mohammed entgegen
einer früheren Abmachung die 3 Töchter Allahs: Manat, al-Lat
und al-Uzza nicht mehr als Fürsprecherinnen anerkannte, setzte eine
Gegenpartei seine Verbannung durch (617-9). In diese Zeit (II. mekkanische
Periode 617-22) fällt die Ausbildung der Glaubens- und Sittenlehre
und setzt die geistige Bekämpfung des Islam ein, die Mohammed veranlaßte,
frühere Offenbarungen als Einschiebsel Satans zu verwerfen. Der Einladung
mehrerer Einwohner vom Jatrib folgend, floh der Prophet dorthin (Hidschra,
nicht = Flucht sondern Verlassen des Stammverbands; Beginn der mohammedanischen
Zeitrechnung 16.07.622). In Jatrib, von da an Medina genannt, wurde die
neue Religionsgesellschaft organisiert und neben der Erweiterung der Moralvorschriften
besonders die bürgerliche und kultische Gesetzgebung ausgebaut; hier
erfolgte auch die endgültige Abkehr vom Judentum (Änderung der
Gebetsrichtung, kibla). Nach außen betrachtete Mohammed als nächste
Aufgabe den Kampf mit und um Mekka mit dem arabischen Zentralheiligtum,
der Kaaba. Nach dem Überfall während des heiligen Monats Radschab,
dem Sieg bei Bedr 624, der Niederlage bei Ohud 625, dem Vertrag von Hodaibijja
628, bemächtigte er sich 630 durch Überrumpelung Mekkas, zertrümmerte
die Götzenbilder und veranstaltete im Tempel den ersten reinen Gottesdienst.
Dann kehrte er nach Medina zurück, um sich, freilich erfolglos, gegen
die Byzantiner zu weden. Von einer letzten Pilgerfahrt nach Mekka heimgekehrt,
starb er zu Medina (8.6.632).
V. Verbreitung.
Der Islam unterwarf sich in kurzer Zeit durch Waffengewalt Persien,
Syrien, Ägypten und die angrenzenden Länder, anfangs des 8. Jh.
Nordafrika und Spanien, Transoranien und Teile von Indien und im 11. Jh.
Kleinasien; 1356 ward der Bosporus überschritten, und 1453 fiel Konstantinopel
in die Gewalt der Muslim. Im Innern Afrikas dauert die Missionstätigkeit
immer noch mit Erfolg an. Wilder Fanatismus und Christenhaß, Zerstörung,
Ströme von Menschenblut, Lähmung aller Kräfte, Stagnation
und Verfall kennzeichnen die Wege des Islam.
J. Marx, Lehrbuch der Kirchengeschichte, Trier (8)1922, 270-273
Der Islam als Feind des Christentums.
Auch das Morgenland hat seine Völkerwanderung. Es war das Volk
der Araber, welches durch eine halbe Welt zog, sie eroberte und festhielt.
Der Fanatismus, der anfangs die Araber berauschte, die Schwäche der
Gegner, die hohe Begabung des Volkes und wohl auch seine bequeme, dem sinnlichen
Menschen schmeichelnde Religion erklären die merkwürdigen Erfolge
der Araber. Beim Tode des Stifters des Islam, Muhammed (gest. 632), waren
die arabischen Stämme geeinigt, und der Prophet hatte den Religionskrieg
gegen alle Andersgläubigen proklamiert (Koran, Sure 47). In schnellem
Siegeslaufe ward Syrien 635, Palästina 637, Ägypten 640 und nach
schwerem Kampfe 651 das mächtige Persien erobert. Innere Unruhen geboten
sodann den Eroberungsgelüsten Halt, die Beutelust trieb aber im Anfange
des 8. Jhrh. zu neuen Eroberungen. Der ganze Norden von Afrika bis zum
Atlantischen Meere ward von Musa, dem Statthalter des Kalifen, d.h. Nachfolgers
Muhammeds, gewonnen. Thronstreitigkeiten im Westgotenreiche führten
dann die Araber unter Tarik nach Spanien, wo sie durch die Schlacht bei
Xeres de la Frontera unweit Cadix 711 das Westgotenreich zerstörten
und bald Spanien bis auf den gebirgischen Norden eroberten. Dem weiteren
Vordringen setzte die Schlacht bei Poitiers 732 und das Erstarken des Frankenreiches
unter den Karolingern eine Schranke. Auch Konstantinopel, welches verschiedene
Male bedroht war, widerstand noch. Dagegen stand nun das ganze Mittelmeer
den Arabern offen, und von Afrika aus bedrängten sie (Mauren) stets
wieder die christlichen Länder Europas. Im 9. Jhrh. eroberten die
Mauren die Inseln des Mittelmeeres, Sizilien 831, setzten sich sogar in
Italien am Garigliano und in der Provence in Frankreich fest. Die Bewohner
der eroberten Länder wurden zum grössten Teile zum Islam genötigt,
so dass die Länder im allgemeinen auch ihrer Religion nach muhammedanisch
wurden.
1. Muhammed und seine Religion.
Muhammed, d.i. der Gepriesene, ward 571 aus dem Priestergeschlechte
der Kurëischiten geboren. Mit einer reichen Phantasie und einem überwuchernden
Gemütsleben begabt, wurde er schon als Knabe mit religiöser Schwärmerei
erfüllt; sein Oheim und Pflegevater war Vorsteher der Kaaba. Durch
die Heirat mit der reichen Witwe Kadidscha erlangte er ein bedeutendes
Vermögen. Als Kaufmann machte er viele und weite Reisen und lernte
Judentum und Christentum durch mündliche Belehrung kennen. Dass er
je schreiben gelernt, ist nicht sicher. Seiner Neigung und nervösen
Konstitution (Epilepsie) entsprechend, hatte er im Alter von 40 Jahren
seine erste "Offenbarung" in einer Art von ekstatischem Zustande, und diese
Offenbarungen stellten sich später nach Wunsch ein. Was er in diesen
krankhaften Zuständen gesehen, hielt er, anfangs wenigstens, wohl
mit vollem Glauben für Offenbarungen Gottes. Anfangs verspottet, erkämpfte
er sich allmählich Anerkennung seiner Offenbarungen bei seinen Verwandten
und in Medina. Seine Auswanderung oder Flucht von Mekka nach Medina i.J.
622, die Hedschrah, ward der Anfang der muhammedanischen Zeitrechnung.
In Medina sammelte er ein Heer um sich, eroberte 630 Mekka, reinigte die
Kaaba, das alte Nationalheiligtum der Araber, welches schon Abraham betreten
haben sollte (Koran 3, 89), von den Götzenbildern und machte sie mit
ihrem schwarzen, angeblich vom Himmel gefallenen Steine zum geographischen
Mittelpunkte der Gottesverehrung der Araber, indem er verordnete, dass
der Moslem im Gebete sich nach Mekka wende und dorthin nach Vermögen
wallfahre. Nach Muhammeds Tode (632) entstand Streit bezüglich seines
Nachfolgers, des "Kalifen", des weltlichen und geistlichen Oberhauptes
des Volkes. Es folgten Abu Bekr, der Schwiegervater des Propheten, Omar,
Othman, Ali, Moawija. Mit letzterem beginnt das Kalifat der Omaijaden in
Damaskus (66l/750), worauf das der Abassiden in Bagdad folgte (750/1258).
Der Koran, das Religionsbuch der Moslemin, wurde unter Abu Bekr
zusammengestellt, indem man die Offenbarungen des Propheten aus einzelnen
Aufzeichnungen und aus dem Gedächtnis einzelner Männer sammelte.
Die Einteilung in 114 Kapitel, Suren, sowie die authentische Redaktion
wurde auf Veranlassung des Kalifen Osman hergestellt. In der Auslegung
des Koran schieden sich die Araber vorzüglich in zwei Sekten, die
Sunniten, welche die Auslegung der ersten Kalifen annahmen, und die Schiiten,
welche nur den Text des Buches gelten lassen wollten, weil sie nur Ali
als den rechten Nachfolger des Propheten ansahen. Die Glaubenssätze
des Islam, 'Hingebung' (an Gott), sind wenige und einfache:
a) die Existenz des einpersönlichen Gottes;
b) Muhammed ist der höchste Prophet, wenn auch Abraham, Moses
und Christus als Gottgesandte anzuerkennen sind;
c) die Auferstehung und das Gericht;
d) der Himmel mit seinen sinnlichen Freuden und die Hölle;
e) der Fatalismus.
Das Sittengesetz verlangt nur äusserliche Werke: das Gebet zu
fünf bestimmten Tageszeiten, Fasten, Almosengeben, die Wallfahrt nach
Mekka, womöglich zweimal im Leben, und vor allem Kampf gegen die Ungläubigen.
Verboten sind der Genuss von Wein, Mord, Beschimpfung von Glaubensgenossen
und Wucher. "Der ist gerecht (ein wahrer Moslem), der an Gott glaubt und
an den jüngsten Tag und an die Engel und an die Schrift und die Propheten
und mit Liebe von seinem Vermögen gibt den Anverwandten, Waisen und
Armen und Pilgern, überhaupt jedem, der darum bittet; der Gefangene
löset, das Gebet verrichtet, Almosen spendet, der da festhält
an eingegangenen Verträgen, der geduldig Not und Unglück und
Kriegsgefahr erträgt; der ist gerecht, der ist wahrhaft gottesfürchtig"
(Koran 2,172). Charakteristisch für den Muhammedanismus sind die entwürdigende
Stellung des Weibes und die Polygamie. Gesetzlich erlaubt sind mehrere
(bis 4) Ehefrauen und Sklavinnen als Kebsweiber in unbeschränkter
Zahl. Auf politischem Gebiete ist der Muhammedanismus die Stätte des
unbezwingbaren Despotismus, weil die geistliche und weltliche Gewalt in
einer Hand vereinigt sind.
2. Der Islam in Spanien.
Bei dem Sturze der Omaijaden zu Damaskus i.J. 750 rettete sich das
einzige noch lebende Mitglied dieser Familie, Abderrahman, nach Spanien
und gründete hier das Kalifat von Cordoba. Wohl verloren die Mauren
an Karl den Grossen die 'spanische Mark', und an das christliche Königreich
Leon bedeutende Teile ihres anfänglichen Besitzes, aber bis zum Untergang
der Omaijaden behaupteten sie ihre Machtstellung im allgemeinen und führten
auch eine glänzende Epoche maurischer Kunst und Wissenschaft herbei.
Den früheren Bewohnern Spaniens, bald Mozaraber genannt, war Religionsfreiheit
bei der Eroberung zugesagt worden; viele aber liessen sich zum Abfall zum
Islam verleiten durch die Vorteile, welcher dieser brachte. Die standhaften
Christen hatten öfter und längere Zeit hindurch schwere Verfolgung
zu erdulden.
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