Predigt am 07.09.2003

- 13. Sonntag nach Pfingsten, sd -
(Kirche zum Mitreden, 07.09.2003)
Gal 3,16-22; Lk 17,11-19

In einem Kommentar (Dausch) zum heutigen Evangelium über die Heilung der zehn Aussätzigen und den Dank des Samariters heißt es: "Es wird Jesus schmerzlich bewegt haben, daß die Undankbarkeit der geheilten Juden ihm aufs neue seinen Mißerfolg bei seinen Volksgenossen vor die Seele rief." Und in einem anderen Kommentar (Weinhart) heißt es: "Christus rügt die Undankbarkeit der Andern, welche die große Wohltat hinnehmen, ohne sie als eine göttliche Gnade zu erkennen und zu bekennen. Sie sind dadurch ein redendes Beispiel der Undankbarkeit des jüdischen Volkes, daß die Wunder der Gnade Jesu in sich empfing und doch Gott nicht die Ehre dafür gab im Glauben an seinen Gesandten, während der Fremdling, der Samariter, ein Vorbild wurde der Gläubigen aus allen Völkern, welche dankbar das Heil Jesu annahmen." "Christus ruft [dem geheilten Samariter] in die Erinnerung, wodurch er die Genesung erlangt hat, damit er diesen heilbringen Glauben hege und pflege."Der Misserfolg Christi beim jüdischen Volk wird immer wieder gerne verschwiegen oder auch geleugnet. Manche Sektierer wollen nicht nur nicht, dass Juden zum Christentum bekehrt werden, sondern sie leugnen offen, dass der Alte Bund beendet wurde, und erzählen, dass Juden "keine andere Religion" als die Christen hätten. Doch es gibt nicht nur die Verblendung der heutigen Juden, die Christus nicht anerkennen, es gibt viele, auch viele Getaufte, die Christus nicht anerkennen. Die Kirchengeschichte kennt bessere Zeiten als die heutige, Zeiten, in denen die Kirche ihre segensreiche Tätigkeit frei und sehr wirksam ausüben konnte. Heute scheint es fast so, als reihte die Kirche Misserfolg an Misserfolg. Wer sind denn diejenigen, die heute als die Superstars gefeiert werden, zu denen die Menschen in Scharen strömen, die von den Menschen verehrt und bejubelt werden? Wer sind heute diejenigen, die in den Medien ausgiebig präsentiert werden und zu Wort kommen? Die heutigen Superstars werden sicherlich nicht alle als Vorbilder christlichen, heiligmäßigen Lebens dienen können, und man kann schwerlich meinen, alle der heutigen Superstars seien durch und durch von dem Wunsch beseelt, die Menschen zu einem sittenreinen, gottgefälligen Leben zu ermutigen und anzuleiten. Wenn die Kirche bei der Verbreitung des Evangeliums nicht nur uneingeschränkte Erfolge vorzuweisen hat, so weiß sie, dass bereits Christus erleben musste, wie seine Botschaft von vielen nicht angenommen wurde. Allerdings hat sich anscheinend in den Köpfen so mancher Menschen, auch so mancher Menschen, die sich als christlich bezeichnen, die Ideologie eingefressen, das eigentlich alles entscheidende Kriterium für die Qualität eines Handelns sei der Erfolg. "Der Erfolg gibt ihm Recht", diese schon zum Sprichwort gewordene Ideologie hört und liest man in allen erdenklichen Variationen immer wieder. "Wir beenden einen Irrweg der Menschheit. Die Tafeln vom Berge Sinai haben ihre Gültigkeit verloren. Das Gewissen ist eine jüdische Erfindung. Es gibt keine Wahrheit, weder im moralischen noch wissenschaftlichen Sinne. Jede Tat ist sinnvoll, selbst das Verbrechen." Also sprach Adolf Hitler. Und man darf sich nicht die Beruhigungspille einwerfen, dass Hitler ja nun tot sei. Der vom Sittengesetz getrennte Erfolgswahn treibt permanent neue Blüten. Im Evangelium wird von der Heilung von Aussätzigen berichtet, die die Heilung ihres Leibes nicht in den Sinnzusammenhang der Heilung ihrer Seele gestellt haben. Was heutzutage unter dem Schlagwort Heilkunde angeboten und praktiziert wird, verdient keineswegs immer die Bezeichnung Heilkunde. Bei der Heilung der Aussätzigen fand immerhin noch eine echte Heilung statt, wobei sich die meisten der Geheilten allerdings vor der Botschaft Jesu verschließen. Und heute? Erst vor wenigen Wochen behaupteten einige so gen. Wissenschaftler, die regelmäßige widernatürliche Unzucht senke statistisch gesehen das Krebsrisiko. In den Medien wurde diese angeblich wissenschaftliche Behauptung regelrecht gefeiert mit Triumphrufen, dass widernatürliche Unzucht gesund sei. Dass die zugrundeliegende Statistik absolut nichts sagend war und dass die vermeintliche Begründung für diese Form der vermeintlichen Krebsprävention keiner Prüfung standhielt, wurde von nicht wenigen gerne in Kauf genommen. Jedes noch so objektiv sinnlose, ja sogar manches zu Recht absolut Ekel erregende Verhalten wird im Namen der so gen. Heilkunde nicht nur entschuldigt, sondern sogar verteidigt und propagiert. Wer erst einmal in diesen Taumel aus esoterischen und okkulten Praktiken gefallen ist, der wird sich auch der Tatsache verschließen, dass der Evangelist Lukas, der sehr ausführlich von Wunderheilungen schreibt, selbst Arzt war. Und Gott hat die Naturgesetze nicht gegeben, damit sie permanent durch Wunder aufgehoben werden oder damit sie von okkulten Ideologien ignoriert werden, sondern damit der Mensch die Naturgesetze beachtet und so in der Erkenntnis und Verehrung Gottes wächst.
Und wie sieht es mit der Dankbarkeit für die empfangenen Gnaden aus? Von den zehn Aussätzigen zeigte nur einer seine Dankbarkeit. Nur einer suchte Christus auf, nachdem die anderen sich von Jesus ein für allemal abgewandt hatten. Nehmen wir einmal an, es gäbe eine Gemeinschaft von ungefähr zehn Personen, die noch die Sakramente in der katholischen Kirche empfangen, während in der Umgebung sonst alle sich falschen Propheten zugewandt haben. Zigtausende hätten entweder gar kein religiöses Leben oder vergnügen sich in Religionen, die mit dem Christentum maximal den Namen gemeinsam haben, und dieser riesen Menschenmenge steht diese kleine Gruppe gegenüber. Von dieser kleinen Gruppe aus etwa zehn Personen - wie viele werden den Glauben dankbar annehmen und treu bewahren? Wie viele von diesen etwa zehn Personen werden sich undankbar zeigen, werden den Sakramenten den Rücken kehren und sich in ihrer Abwendung von den katholischen Sakramenten noch gefallen? Wie viele von diesen etwa zehn Personen werden sich von Lügen einnebeln lassen, ja wie viele werden selbst zu Lügnern werden? Wie viele von diesen etwa zehn Personen werden sich weigern, im Einklang mit dem Glauben zu leben? Wird vielleicht von diesen etwa zehn Personen nur eine einzige Person übrig bleiben, die es mit dem Glauben ernst meint, die bereit ist, das in ihrem Leben auszurotten, was dem Christentum zuwider ist, und das in ihrem Leben zu fördern, was dem Christentum gemäß ist?
Das Beispiel der zehn von Christus Geheilten mahnt uns also zu Dankbarkeit und Treue gegenüber Christus. Tief in der Schuld Christi standen alle, aber nur einer hat entsprechend gehandelt. Was immer auch passieren mag, welch furchtbaren Lügen wir auch immer hören mögen, welch schmerzlichen Misserfolge wir auch erfahren mögen, welch große Versuchungen um uns und in uns toben mögen, handeln wir so, wie es vor Gott recht ist. Zeigen wir Christus unser Dankbarkeit und Treue, gehören wir zu denen, die dankbar das Heil Jesu annehmen, das in der Seligkeit des Himmels seine Erfüllung finden wird. Amen.

S. auch:
Predit vom 31.08.2003
Bündnis 90 / Die Grünen
Privatvergnügen
Post von Weltbild

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